Alles ok mit dem GG?
Erstellt von schneemann am Freitag 22. Mai 2009
Gemessenen Schrittes geht es an’s Sonntagsreden-Redner-/Rednerinnenpult, aus der Trickkiste werden ein pathetisches Vibrato für die Stimme und ein Ach-Gucke-Ich-Feierlich für das Gesicht herausgekramt.
Die Politriege kriegt sich gar nicht wieder ein. Man betont wie stolz man sei. Auf die Verfassung. Und sonst nichts. Jawohl.
Es ist wie immer - unerträgliches Wortgeklingel, mit dem Ziel, dem Volk und angeblichen “Souverän” gezielt und in voller Absicht die Sinne zu vernebeln. Es werden ohne Gnade und bis zum Erbrechen rethorische, dummdeutsche Versatzstücke aneinandergereiht.
Und doch ist eines dabei anders, als in der Vergangenheit: Der Deutsche Michel, sonst nur Stimmvieh, hat begonnen seine Schlafmütze abzuziehen und entdeckt die Kommunikationsmöglichkeiten des Internet. In den Kommentarforen der etablierten Medien könnten jene, die sich selbst als Volksvertreter bezeichnen, von A bis Z nachbuchstabieren, was von ihnen gehalten wird. Wenn diese Politikerkaste doch nur so handeln würde, wie sie es in ihren Sonntagsreden immer beschwören. Wenn sie doch nur einmal NICHT gegen den Willen des Volkes entscheiden würden.
Aber leider ist Volkes Stimme noch ziemlich leise und nach den Wahlen im September wird -aus Sicht der Politiker- wie immer gelten: Vox Poluli Vox Dei.
Ihr lieben Volksvertreter, hört mir bitte einmal zu:
Europawahl - was ist das denn?
Bundestagswahl -wozu; Ihr macht ja doch, was wir nicht wollen.
Liebe Ossis (Wessis sind immer noch zu satt) skandiert noch mal: Wir sind das Volk!
Wir möchten endlich eine Verfassung, so wie das -trotz aller Schraubversuche nach der Wiedervereinigung- im § 146 GG verankert ist.
Und weil wir gerade dabei sind: Was spräche eigentlich dagegen, wenn dieses neue Deutschland auch eine neue Nationalhymne singen könnte:
Berthold Brecht
Kinderhymne
Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s.
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.