… ein willfähriges Volk. Es braucht nur einige Anstupser und schon empören wir uns auf das heftigste. Manches Mal allerdings sind auch einige penetrante Wiederholungen in unseren gleichgeschalteten Medien notwendig, aber letztlich klappt es fast immer. Das haben wir bei Eva Herman gesehen und das sehen wir jetzt an Thilo Sarrazin.
Wir sind quasi ein Volk von Empörern. Wir werden puterrot, Schaum tropft von unseren Lefzen, wir gackern und geifern wir schimpfen und fordern und dann … dann versuchen wir uns kundig zu machen über den Anlaß unserer berechtigten und gesunden Volksempörung. Daß es nicht unangemessen scheint, den Vorgang umzukehren - also sich zuerst kundig zu machen und erst dann sich zu empören (wenn erforderlich) ficht viele nicht an.
Das schöne an unseren Empörungen ist, daß sie unabhängig von der jeweiligen Regierungsform funktionieren. In jeder Regierung, angefangen bei Bismarck und Seiner Majestät Willem Zwo glorreichen Zeiten über die Weimarer Schwächephase und das folgende zwölftausendjährige Reich bis hin zur BRDDR klappt seit mehr als einhundert Jahren das mit der Volksempörung relativ zuverlässig; auf uns Deutsche ist eben Verlass; jawoll, ja!.
Und in jeder Regierung gab und gibt es deshalb auch immer einige hauptamtlich bestallte Berufsempörer (Eine dieser heutigen Sirenen ist besonders schrill - sowohl in der Farbe der Kleidung, als auch im Ton).
Zur Zeit ist -wie gesagt- Thilo Sarrazin Empörungsanlass. Eine deutsche Kanzlerin fühlt sich bemüßigt Sarrazins Arbeitgeber auf Entlassung zu drängen. Und sogar unser aller lieber Herr Bundespräsident -den ich nicht despektierlich Grüßaugust nennen werde- sogar der Grüß- äh, der Herr Bundespräsident signalisiert seiner gleichnamigen Hausbank, Sarrazin in Pension zu schicken, sei sicher nicht verwerflich.
Pssst…. sogar von noch weiter oben, also von ganz, ganz oben kommt Empörung: Ein pausbäckiger Erzengel ist -nachdem er vom popeligen Pop-Beauftragten die Karriereleiter hinaufschnaufte- ganz toll empört und will seinen Enflußbereich von solchen Subjekten säubern.
Wetten, daß dieser Säuberungsprozess versanden wird? Schließlich stehen 2011 einige Wahlen an und das Fußvolk des Erzengels sieht die Sache ganz anders als sein voreiliger und vorlauter Chef.
Ja, wo leben wir eigentlich? Ja, ist denn das Grundgesetz heut’ schon abgeschafft?
Der entsprechende Artikel beginnt mit ” Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.”
Na bitte da haben wir es! Es werden aufgezählt Wort, Schrift, Bild, Rundfunk und Film - und wo bitte steht im GG-Text das Wort “Buch“? Na also…
Und trotzdem pocht dieser Trotzkopf Sarrazin weiterhin auf Meinungsfreiheit,
… also, so geht das doch nun wirklich nicht!
Wenn man mich fragen würde (es tut bestimmt niemand) - ich würde dafür plädieren, Sarrazins Machwerk öffentlich zu oxidieren. Der heutige Bebel- ehemals Opernplatz in Berlins Mitte wäre dafür bestimmt ein geeigneter Ort… Am besten wäre, wenn man gleich noch Sarrazins Buchverlag und das Wohnhaus des Delinquenten in die Kohlenstoff-Oxidation mit einbezieht.
Ein Glück, daß es auch noch Empörungsresistente gibt! Ein Danke in die Schweiz, nachÖsterreich, nach Großbritannien, nach den Niederlanden, nach Frankreich, nach Spanien, nach Portugal u.a.m.
Also Deutsche, frischauf, empören wir uns bald mal wieder…
Da Berufsempörte meistens auch Berufspolitiker sind, fürchte ich, daß letztere wieder einmal mehr Schaden anrichten als gut ist. Sie trampeln wieder einmal wie die Elefanten im Online-Porzellanladen herum - ohne es zu bemerken und ohne dessen Wirkmechanismus auch nur ansatzweise zu verstehen.
Edit 05.September 2010: Dem Beitrag des großartigen Ralph Giordano ist nichts mehr hinzuzufügen.
Edit o7.September 2010: Na bitte, es geht doch.