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Was waren die Inhalte meiner freiberuflichen Tätigkeit?

Als 1989 in der DDR alle Dämme brachen, arbeitete ich zunächst bis 1994 bei der Firma DeTeWe. Nach 4 Jahren war hier die Luft raus - Mobbing, Neid, Intrigen, Großkotzigkeit, Hysterie und andere Eigenschaften, die ich in 25 Arbeitsjahren im Institut für Nachrichtentechnik in Berlin-Oberschöneweide NIE kennenlernte, waren in obiger Firma alltäglich. Ich beschloß auf eigenen Beinen zu stehen, um niemals mehr in fremde Taschen zu arbeiten und gründete ein Ingenieurbüro. Geschäftsidee waren: Planung und Projektierung von Telekommunikationsanlagen, Computernetzen und Komponenten der Gebäudeautomation.

Hierzu kamen das Erstellen von Curricula für die unterschiedlichsten Themen der IT- / Nachrichten- / Kommunikationstechnik und die Tätigkeit als Lehrender. Je nach Gustus war ich mal Dozent im Frotalunterricht, mal Trainer (Coach) mit dem zugehörigen Hetzen zwischen Tischen und Computern, meinem Notebook, Overheadprojektor und Folien. Diese Weiterbildungsveranstaltungen führte ich bei sowohl bei Bildungsträgern, quasi als Honorardozent, als auch bei Firmenschulungen durch.

Auch Projektierung, Unterweisung / Beratung in der Nutzung der damals neuen IT-Technik im Büro (z.B. Computer, Modems, ISDN usw.) in der Öffentlichen Verwaltung und Unternehmer (z.B. Gebäudetechnik und -verkabelung), sowie Umschulungen (z.B. Systemelektroniker) im Auftrag der Industrie und Handelskammer. Hier wurde ich auch als deren Prüfer bestellt, als der ich Abschlußprüfungen abnahm).

Hinzu kamen einige kleinere Aktivitäten, wie Verfassen von Zeitschriftenartikeln, Überarbeitung technischer Anleitungen, electronik-cash-Anlagen usw... 

Neben meiner Tätigkeit als Dozent …

... hatte ich vor und um die Jahrtausendwende herum eine Multimedia-CD über das Mansfelder Land gestaltet, programmiert, recherchiert, im Eigenverlag vermaktet und vertrieben.

Eine Neuauflage -zu Beginn des Ruhestandes zunächst ins Auge gefaßt- verwarf ich dann doch wieder. Was damals neu war, ist heute, zehn Jahre später, ein alter Hut. Zu verwöhnt sind heute im Zeitalter des bunten und flimmernden Web 2.0 die User, als daß sie sich mit briefmarkengroßen Vdioclips zufrieden geben würden.
Auch hier ist die Zeit darüber hinweggegangen. Die
Website, die diese CD bewarb, wird zwar weiter gehostet, sonst aber nicht mehr gepflegt. 

Last Lecture

Liebe Freunde, der Statistik des Hosters dieser Website nach zu urteilen, verirrt sich ab und zu noch mal ein Ehemaliger hierher. Auch die eine oder andere Mehl -mit zunehmenden zeitlichen Abstand immer seltener- trudelte hier bei mir ein und über beides freue ich mich sehr.

Die Arbeit mit Ihnen allen hat mir immer Spaß gemacht - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Besonders gern habe ich in Reinbek gearbeitet, hier war immer eine besondere Arbeitsatmosphäre, die woanders in dieser Form nicht herrschte.

Die Zusammenarbeit mit den Kursteilnehmern, die immer von gegenseitigem Verstehen geprägt war, unterschied sich aber manchmal erheblich mit der der Geschäftsführung der jeweiligen Einrichtungen. Da habe ich einige wenige kennengelernt, die ich in die Kategorie Abzocker einordne und auch einige, deren soziale Kompetenz nahe Null lag...

Daß es auch Ihnen -zumindest in der Mehrzahl- gefallen hat, haben sie mir des öfteren gesagt und einige von haben ihre Meinung auch im Gästebuch veröffentlicht. Auch dafür sage ich Ihnen ”Danke”.

Seit ich mich im Ruhestand befinde, muß ich konstatieren, daß die Zusammenarbeit mit Ihnen, die Sie 20, 30, 40 Jahre jünger waren / sind, doch sehr, sehr befruchtend war; es erschlossen sich mir fast täglich neue Horizonte, jedes Thema war vertreten:
Ich erfuhr von den Macken irgendeines Programmes, lernte spezielle Tricks und  lernte den speziellen Humor der Generation 20 kennen und verstand deren -oft hintergründigen- Slang. Sie testeten meine Belastungsgrenzen, so wie auch ich die Ihrigen. Sie glaubten, mich hereingelegt zu haben und übersahen, daß ich das so wollte. Ich hörte von gemeinen Chefs und vom rücksichtslosen Gebrauch der Ellenbogen sogenannter Kollegen. Was ist In und was ist Out – ich als old-fashion-man erfuhr es aus erster Hand. Wie geht man mit Millionenschulden um – jemand Betroffener war so frei seine Erfahrungen dazu auszubreiten. Kurz, ich war in diesen Jahren fest eingebunden in Ihre Welt und damit brachte jeder Tag erfrischenden Wind in mein Arbeitsleben.

Was ich im Laufe der Jahre noch feststellte

In jedem Kurs gab es die gleichen Charaktere, was nun so verwunderlich auch wieder nicht ist - da ja (fast) immer ein Querschnitt der Bevölkerung vertreten war.
Natürlich ist der am weitesten verbreitete Typ (etwa 95% aller Kursteilnehmer) 

Der Stino / Normalo

Er sitzt entspannt, hört zu, schreibt mit, blättert in Unterlagen, gääähnt mehr oder minder verstohlen, läßt sich mehr oder weniger ablenken, stellt Fragen, löst Probleme und lächelt über die restlichen 5 Prozent als da (beispielsweise) sind:

Der Timer

baut immer demonstrativ, fast warnend, eine Uhr vor sich auf dem Tisch auf. Er gibt mehr oder minder energisch Zeichen (Zigarettenschachtel-auf-den-Tisch-legen, bohrender Blick, beide Hände zum T-Zeichen geformt  u.a. subtile Zeichen), wenn die Pause näher rückt.

Der Philosoph

wiegt bei fast jeder Erklärung technischer Sachverhalte bedenkenschwer sein Haupt und versucht z.B. die Aussage ”... jeder Kanal ist gestört ...” auf eine politische, kulturelle, religiöse, literarische oder andere Ebene zu portieren.

Reaktion: Immer recht geben

Der Provokateur

muß ständig beweisen, daß er der Platzhirsch ist: ” ... woher wollen Sie denn das wissen, waren Sie dabei?”

Reaktion: ” Ja, ich habe es mir sogar patentieren lassen”

Der Erbsenzähler

hakt hin und wieder, wenn es ihm reicht, scharf nach: ” ... wieso 3 kHz Bandbreite – Sie sagten doch vorhin 3,2 kHz; was ist denn nun richtig?...”

Reaktion: Darauf verweisen, daß es, genau genommen, eine Klein- und eine Großsignalbandbreite gibt und beide -noch genauer genommen- nur für Sinussignale gilt und für Nicht-Sinussignale zunächst Grenzfrequenzen definiert werden müssen und ob er so nett sein wolle, eine kleine Betrachtung dazu zu schreiben ...

Der Besserwisserer

meint (er hat ja vor 6 Monaten bereits ausgelernt) DER IT-Profi zu sein: ”Also, ICH habe da was ganz anderes gelernt und auf meinem PC funktioniert das alles ganz anders...”
Reaktion: ” Das ist ja interessant, bitte kommen Sie doch zur Tafel und erklären Sie es uns allen”

Der Schleimer

ist relativ selten, aber eben doch hin und wieder da: ”... bitte, Herr Dozent, soll ich Ihnen einen Kaffee mitbringen? Oder was zum Essen?”
Oder auch  ”. Nein!  was Sie Alles wissen / Woher Sie das nur wissen / Ihren Kopf möchte ich haben.....”
Reaktion: ”Mein Gesicht auch? Noch jemand 'ne Frage?”

Der Pendant

möchte am liebsten alles ganz genau wissen: ” ... hier sind zwei Leerzeichen zwischen den Wörtern, soll ich eines davon durchstreichen?”
Reaktion: ” Ja, aber mit dem Lineal”

Der Klassenclown

hat immer ein Witzchen auf der Zunge, eine Anekdote im Hinterkopf, oder einen Gag parat.
Reaktion: Gewähren lassen; ggf. animieren einen Gag zu starten

Der Zweifler

glaubt fast immer, daß irgend etwas nicht so funktioniert, wie soeben erklärt. Selbst ein Hinweis auf etwas Funktionierendes (Computer, Telefon, Radio usw.) kommentiert er mit ”... na ja, aber ob das immer genau so funktioniert ....” o.ä.
Reaktion: Resigniertes Schulterzucken

Der Fleißige

ist nicht mit dem Streber zu verwechseln. Der Ackerer hat immer eine rote Birne und Schweißperlen auf der Stirn. Er notiert Alles und Jedes fast wortgetreu, diskutiert die Themen mit allen erreichbaren Nachbarn und hat Angst einen Satz zu verpassen.
Reaktion: Ruhig abwarten

Der Streber

schreibt sehr eifrig mit, formt die Notizen zu Hause zu druckreifen Sätzen aus, versieht sie mit eingeklebten, ausgeschnittenen Bildern, ”arbeitet vor” und ist etwas mehr als die Summe von Schleimer und Pendant.
Reaktion: Gewähren lassen

Diese gesunde Mischung machte es, was jeden Kurs zwar einzigartig, aber irgendwie auch immer vorhersehbar machte.
Das ist es -und noch viel, sehr viel mehr- was ich in meinem Ruhestand vermissen werde.

Danke- und kommen Sie gut auf's Gehöft


Ing.Büro für Kommunikationstechnik H. Schneemann
0170 966 466 0