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Hallo, liebe Freunde,

der Statistik meines Hosters zu dieser Website ist (mit vielen Unsicherheiten) zu entnehmen, daß sie hin und wieder von Ehemaligen aufgesucht wird. Auch die eine oder andere Mehl trudelte hier bei mir ein und über beides freue ich mich sehr.
Die Arbeit mit Ihnen allen -nun gut, zugestandenermaßen gibt es wenige Ausnahmen- hat mir im Großen und Ganzen immer Spaß gemacht. Besonders gern habe ich bei ...- nein, ich will lieber keinen Kurs nennen - .

Daß es auch Ihnen -zumindest in der Mehrzahl- gefallen hat, haben sie mir öfters gesagt und viele haben ihre Meinung auch im Gästebuch veröffentlicht. Auch dafür sage ich Ihnen ”Danke”.

Seit ich mich im Ruhestand befinde, muß ich konstatieren, daß die Zusammenarbeit mit Ihnen, die Sie 20, 30, 40 Jahre jünger waren / sind, doch sehr, sehr befruchtend war; es erschlossen sich mir fast täglich neue Horizonte und ich habe zumindest genauso viel gelernt wie Sie. So hoffe ich es jedenfalls. *strengblick*
Ich erfuhr von den Macken irgendeines Programmes, ich erhielt Einblicke in Ihre Welt der Spiele (ich selbst kenne eigentlich nur ein Spiel , den legendären Larry I aus den 80ern – den kennen Sie wiederum nicht, oder?). Ich lernte Denken und Befindlichkeiten Jüngerer besser einzuschätzen. Sie testeten meine Belastungsgrenzen (und auch ich die Ihrigen), ich lernte speziellen Humor und bestimmten Slang kennen, während Sie von gemeinen Chefs und über die Ellenbogen ehemaliger Kollegen erzählten. Was ist In und was ist Out – ich erfuhr es. Wie geht man mit Millionenschulden (!) um – ein Betroffener war so frei seine Philosophie hierzu auszubreiten. Kurz, ich war in dieser Zeit fest eingebunden in Ihre Welt und damit brachte jeder Tag erfrischenden Wind in mein Arbeitsleben.

Ich wurde auch nicht wenig um Unterstützung und Hilfestellung gebeten; das reichte von finanziellen Wünschen, über Sachleistungen bis hin zum Verfassen von Briefen und Ausfüllen von Formularen. Es ist schon erstaunlich, wie viele Probleme manche Menschen in ihrem Gepäck mit sich herumschleppen.

Was ich im Laufe der Jahre auch feststellte: In jedem Kurs gab es die gleichen Charaktere.
Der am weitesten verbreitete Typ (dazu gehören 95% aller Kursteilnehmer) ist

Der Normalo
Er sitzt entspannt, hört zu, schreibt mit, blättert in Unterlagen, gääähnt mehr oder minder verstohlen, läßt sich mehr oder weniger ablenken, stellt Fragen, löst Probleme und lächelt über die restlichen 5 Prozent als da (beispielsweise) sind:

Der Timer
baut nahezu immer, fast warnend, demonstrativ eine Uhr vor sich auf dem Tisch auf. Er gibt mehr oder minder energisch Zeichen (Zigarettenschachtel-auf-den-Tisch-legen, bohrender Blick, beide Hände zum T-Zeichen geformt, ”...ich habe Huuuuuuunger...!” u.a.), wenn die Pause näher rückt.

Der Philosoph
wiegt bei fast jeder Erklärung technischer Sachverhalte bedenkenschwer und Joschka-Fischer-gleich sein Haupt und versucht z.B. die Aussage ”... jeder Kanal ist gestört ...” auf eine politische, kulturelle, religiöse, literarische oder andere Ebene zu portieren.
Reaktion: Immer recht geben

Der Erbsenzähler
hakt hin und wieder, wenn es ihm reicht scharf nach: ” ... wieso 3 kHz Bandbreite – Sie sagten doch vorhin 3,2; was ist denn nun richtig?...
Reaktion: ”genaugenommen, 3,1967 kHz”

Der Provokateur
muß ständig beweisen, daß er der Platzhirsch ist: ” ... woher wollen Sie denn das wissen, waren Sie dabei?”
Reaktion: ” Nicht nur das, ich habe es mir patentieren lassen”

Der Besserwisser
meint -er hat ja bereits vor 6 Monaten ausgelernt- DER IT-Profi zu sein: ”Also, ICH habe da was ganz anderes gelernt...
Reaktion: ” Kommen Sie doch zur Tafel und erklären Sie es uns”

Der Schleimer
ist relativ selten, aber eben doch hin und wieder da: ”... bitte, Herr Dozent, soll ich Ihnen einen Kaffee mitbringen? Oder was zum Essen?
Oder ”-- Nein, woher Sie nur das Alles wissen ...”
Reaktion: ”Noch jemand 'ne Frage?”

Der Pendant
möchte am liebsten alles ganz genau wissen: ” ... hier sind zwei Leerzeichen zwischen den Wörtern, soll ich eines davon durchstreichen?”
Reaktion: ” Ja, aber mit dem Lineal”

Der Klassenclown
hat immer ein Witzchen auf der Zunge, eine Anekdote im Hinterkopf, oder einen Gag parat.
Reaktion: Gewähren lassen

Der Zweifler
glaubt fast immer, daß irgend etwas nicht so funktioniert, wie soeben erklärt. Selbst ein Hinweis auf etwas Funktionierendes (Computer, Telefon, Radio usw.) kommentiert er mit ”... na ja, aber ob das immer genau so funktioniert ....” o.ä.
Reaktion: Resigniertes Schulterzucken

Der Ackerer
hat immer eine rote Bine und Schweißperlen auf der Stirn. Er notiert Alles und Jedes fast wortgetreu, diskutiert die Themen mit allen erreichbaren Nachbarn ...
Reaktion: Ruhig abwarten

Der Streber
schreibt sehr eifrig mit, formt die Notizen zu Hause zu druckreifen Sätzen aus, versieht sie mit eingeklebten ausgeschnittenen Bildern, ”arbeitet vor” und ist etwas mehr als die Summe von Schleimer und Pendant.
Reaktion: Gewähren lassen

Diese gesunde Mischung machte es, was jeden Kurs zwar einzigartig, aber irgendwie auch immer vorhersehbar machte.
Das ist es -und noch viel, sehr viel mehr- was ich in meinem Ruhestand vermissen werde.

Kommen Sie gut auf's Gehöft



Letzte Änderung: 02.04.2009, 19:50:17Schneemann Bild