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Siersleben-ein Dorf im Mansfelder Land

Ziem­lich genau in der Mit­te des Mans­fel­der Lan­des liegt Siers­le­ben, ein klei­nes Berg­ar­bei­ter­dorf.
Zu der Zeit, von der ich hier zu berich­ten mir vor­ge­nom­men habe, präg­ten rund­her­um Schäch­te, Hüt­ten, Wer­ke, Indus­trie­an­la­gen, Hal­den und nicht zuletzt die Mans­fel­der Berg­werks­bahn das Bild. Trug man sonn­tags sein obli­ga­to­ri­sches wei­ßes Ober­hemd, so war nach zwei /​ drei Stun­den, das Inne­re des Kra­gens so sehr durch Flug­asche ver­schmutzt, daß man das Hemd wech­seln muß­te, wenn man auf den Tanz­saal woll­te. Und man woll­te immer. Die Flug­asche lag auf der Kopf­haut, in den Ohr­mu­scheln, hing in den Augen­win­keln – sie war ein­fach über­all. Sehr häu­fig lag zudem auch ein typi­scher, pene­tran­ter Geruch in der Luft, der beson­ders von den Hett­s­ted­ter Wer­ken her­über­weh­te – 800 Jah­re Kup­fer­schie­fer-Berg­bau präg­ten Land­schaft und Men­schen.
Allen, aber auch wirk­lich allen Mans­fäl­lern war bewußt, mit wel­chen kör­per­li­chen Anstren­gun­gen der Abbau des Kup­fer­schie­fers und die hüt­ten­tech­ni­sche Erzeu­gung von Kup­fer ver­bun­den waren und so rea­li­sier­ten es vie­le zunächst fas­sungs­los ‑ich zäh­le mich dazu‑, daß man nach dem Absturz der DDR in den neu ent­stan­de­nen Bau­märk­ten ton­nen­wei­se Kup­fer­ar­ti­kel kau­fen konn­ten – Kup­fer, für des­sen Gewin­nung sich bis dahin Genera­tio­nen von Berg- und Hüt­ten­leu­ten uff dr Glä­che rich­tig quälten.

Heu­te sind nur noch die Hal­den übrig geblie­ben. Mit dem Ende des Berg­bau­es und der DDR- ver­sinkt das klei­ne Dorf zuneh­mend in der Unschein­bar­keit. Ein unbe­kann­ter Autor hat die­sen Nie­der­gang so beklagt:

Wenn’s wie­der so wür­de, wie eins­tens es war,
Da der Berg­mann hoch­ge­ehrt.
Und nicht nur in Zei­ten der Not und Gefahr,
Wenn in Schutt lag das Land und zerstört.

Nicht ein­mal für ein anstän­di­ges Indus­trie­denk­mal des Mans­fel­der Reviers – vom etwas abge­le­ge­nen Besu­cher­berg­werk Röh­richt­schacht Wet­tel­ro­de ein­mal abge­se­hen – waren Geld und Inter­es­se vor­han­den. Das Mans­feld-Muse­um in Alt­dorf wird zer­rie­ben zwi­schen wider­stre­ben­den Inter­es­sen und Spin­ne­rei­en, der Ver­ein Mans­fel­der Berg-und Hüt­ten­leu­te ist rüh­rig und hat das beach­tens­wer­te vir­tu­el­le Pro­jekt Kupferspuren.eu zustan­de gebracht, es man­gelt aber an Nach­wuchs und der Ver­ein Mans­fel­der Berg­werks­bahn wer­kelt allein vor sich hin – genau so, wie ein reich­li­ches Dut­zend Hei­mat- und ande­rer Ver­ei­ne. Alle die­se Ver­ei­ne soll­ten sich schleu­nigst mit Lokal­po­li­ti­kern zusam­men­tun um gemein­sam dem Mans­fel­der Berg­bau ein Denk­mal set­zen, das die­ses Wort ver­dient!
800 Jah­re lang hat Deutsch­land das Mans­fel­der Kup­fer benö­tigt und nur, weil davon 40 Jah­re unter der Ägi­de der DDR geför­dert und ver­hüt­tet wur­den, soll­te es unmög­lich machen, gebüh­rend dar­an zu erin­nern?
Man schaue ein­mal nach Bochum, wo um den nie­der­ge­gan­ge­nen Berg­bau nahe­zu ein Kult insze­niert wur­de /​ wird – und damit Geld in die Kas­sen gespült wird.


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Nach dem Krieg – Erin­ne­run­gen an die 50er Jahre

Erleb­tes um Hem­me, Ril­le & Ande­re – Dorf­ge­schich­ten

Damals war’s – Aus Chro­ni­ken und ande­ren Quellen

Rück­blick – Alte Ansich­ten aus dem Mans­fel­der Land

Ja, ich erin­ne­re mich – Das Mans­feld Lied

siersleben-augsdorfer-strasse
Herr Früh­ling in der Augs­dor­fer Stra­ße in Siersleben


Wenn erst ein­mal die noch leben­den Augen­zeu­gen sowie die Wis­sens- und Erfah­rungs­trä­ger ihre Letz­te Fahrt ange­tre­ten haben, über­neh­men stu­dier­te, schlaue His­to­ri­ker die Deu­tungs­ho­heit – na dann Gute Nacht Mans­feld.
Wir alle wis­sen ja, was dabei her­aus­kommt, wenn gewis­se Exper­ten uns ganz genau erklä­ren, wie wir gelebt haben – Bewegt Euch end­lich! – oder, ums mans­fäl­lisch zu saahn: Jäwet Eich end­lich Mie­he!

Zu dieser Website

Auf und mit die­ser Web­site möch­te ich mei­ne Erin­ne­run­gen an die 50er Jah­re in Siers­le­ben fest­hal­ten. Damit im Text genann­te Namen, Fir­men usw. zuge­ord­net wer­den kön­nen, sind auf drei Lage­kar­ten die Stand­or­te der dama­li­gen Händ­ler und ande­rer Gewer­be­trei­ben­der eingetragen.

Eine gan­ze Rei­he alter Ansichts­kar­ten soll ver­mit­teln, wie es damals in Siers­le­ben und den Nach­bar­or­ten aus­sah. Viel­leicht erkennt ja der Eine oder Ande­re das Ange­spro­che­ne aus eige­nem Erle­ben, aus Erin­ne­run­gen der Eltern, oder Groß­el­tern. Und alle, die nichts wie­der erken­nen, erhal­ten einen win­zi­gen, sub­jek­tiv gefärb­ten Ein­blick in die Zeit mei­ner Kind­heit bzw. Jugend in den Fünf­zi­ger Jah­ren in der DDR, einem Land, das es nicht mehr gibt.

Alle Tex­te wer­den von Zeit zu Zeit erwei­tert und über­ar­bei­tet. Des­wei­te­ren ver­su­che ich, Details aus der Siers­le­be­ner Geschich­te hin­zu­zu­fü­gen, die weit vor der Zeit mei­ner eige­nen Erin­ne­run­gen lie­gen.
Viel Ver­gnü­gen beim Lesen.

Das obi­ge Bild “Früh­ling in Siers­le­ben” stammt von Gün­ter Stein­bre­cher, Mit­glied in der Inter­es­sen­ge­mein­schaft Orts­chro­nik Siers­le­ben, wel­cher auch der Autor die­ser Web­site ange­hört. Schau­en Sie vorbei:

Inter­es­sen­grup­pe Orts­chro­nik Siersleben

2 thoughts on “Siersleben-ein Dorf im Mansfelder Land”

  1. Schö­nen guten Tag (oder bes­ser: juten Dache) ,
    ich bin total ver­blüfft und nur durch Zufall auf die­se fan­tas­ti­sche Sei­te gelangt. Ich woll­te nach­schau­en, ob “Dutz” Ein­gang in die deut­sche Spra­che gefun­den hat. Naja, da hat Goog­le mich zu Dei­nem Blog geführt. Ich sel­ber bin in Bur­gör­ner gebo­ren, aber seit 1955 Wes­sie, mein Vater stammt aus Augs­dorf, mei­ne Mut­ter aus Hett­s­tedt. Jedes Jahr fah­re ich mit mei­nem Bru­der ins Mans­fel­der Land auf den Spu­ren unse­rer Fami­lie. Also die Berich­te und Bil­de von Dir sind unheim­lich infor­ma­tiv und machen mich auch heu­te noch weh­mü­tig. Die Her­kunft und die Hei­mat lässt sich nie abschüt­teln. Ich fin­de vie­le eige­ne Kind­heits­er­leb­nis­se wie­der oder erin­ne­re mich an die Erzäh­lun­gen der Alten.
    Vie­len, vie­len Dank dafür.
    Herz­li­che Grü­ße aus Wedel von Dr. Wolf­gang Körner

  2. Hal­lo, Horst,
    habe mir auf die Schnel­le dei­ne umfang­rei­chen , inter­es­san­ten Recher­chen ange­se­hen. Dafür zol­le ich dir Respekt.
    Bei den Kriegs­ver­sehr­ten bzw. Gefal­le­nen habe ich für mich neue Infor­ma­tio­nen zu Ange­hö­ri­gen müt­ter­li­cher­seits ent­deckt, die für mich Grund zu wei­te­ren Nach­fra­gen im weit­läu­fi­gen Ver­wand­ten- kreis Anlass geben.
    Das Mans­feld- Lied in Wort und Melo­die hat sofort zum Mit­sin­gen ange­regt u. mei­ne Hei­mat­ver­bun­den­heit nach mehr als 50 Jah­ren bekundet.
    Ich wün­sche dir eine schö­ne Zeit bis zum geplan­ten Tref­fen in unse­rem Siers­le­ben u.
    grü­ße dich recht herz­lich aus dem Saaletal.

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