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Siersleben – Die 50er

Ziemlich genau im Zentrum des Mansfelder Landes liegt Siersleben, ein kleines Bergarbeiterdorf.
Zu der Zeit, von der ich hier zu berichten mir vorgenommen habe, prägten rundherum Schächte, Hütten, Werke, Industrieanlagen, Halden und nicht zuletzt die Mansfelder Bergwerksbahn das Bild. Trug man sonntags sein obligatorisches weißes Oberhemd, so war nach zwei / drei Stunden, das Innere des Kragens so sehr durch Flugasche verschmutzt, daß man das Hemd wechseln mußte, wenn man auf den Tanzsaal wollte. Und man wollte immer. Die Flugasche lag auf der Kopfhaut, in den Ohrmuscheln – überall. Sehr häufig lag zudem auch ein typischer, penetranter Geruch in der Luft, der besonders von den Hettstedter Werken herüberwehte – 800 Jahre Kupferschieferbergbau prägten Landschaft und Menschen.
Allen, aber auch wirklich allen Mansfällern war bewußt, mit welchen körperlichen Anstrengungen der Abbau dieses Kupferschiefers und die hüttentechnische Erzeugung von Kupfer verbunden waren und so realisierten es viele zunächst fassungslos -ich zähle mich dazu- , daß man nach dem Absturz der DDR im Baumarkt tonnenweise Kupferartikel kaufen konnten – Kupfer, für dessen Gewinnung sich bis dahin Generationen von Berg- und Hüttenleuten –uff dr Gläche– richtig quälten.
Heute sind nur noch die Halden übrig geblieben. Mit dem Ende des Bergbaues -und damit verbunden mit dem Untergang der DDR- versinkt das kleine Dorf zunehmend in der Unscheinbarkeit.

Ein unbekannter Autor hat diesen Niedergang so beklagt:

Wenn’s wieder so würde, wie einstens es war,
Da der Bergmann hochgeehrt.
Und nicht nur in Zeiten der Not und Gefahr,
Wenn in Schutt lag das Land und zerstört.

Zu der Zeit, von der ich hier zu berichten mir vorgenommen habe, prägten rundherum Schächte, Hütten, Werke, Industrieanlagen, Halden und nicht zuletzt die Mansfelder Bergwerksbahn das Bild. Trug man sonntags sein obligatorisches weißes Oberhemd, so war nach zwei / drei Stunden, das Innere des Kragens so sehr durch Flugasche verschmutzt, daß man das Hemd wechseln mußte, wenn man auf den Tanzsaal wollte. Und man wollte immer. Die Flugasche lag auf der Kopfhaut, in den Ohrmuscheln – überall. Sehr häufig lag zudem auch ein typischer, penetranter Geruch in der Luft, der besonders von den Hettstedter Werken herüberwehte – 800 Jahre Kupferschieferbergbau prägten Landschaft und Menschen.

Nicht einmal für ein anständiges Industriedenkmal des Mansfelder Reviers – vom etwas abgelegenen Besucherbergwerk Röhrichtschacht Wettelrode einmal abgesehen – waren Geld und Interesse vorhanden. Das Mansfeld-Museum in Altdorf wird zerrieben zwischen widerstrebenden Interessen und Spinnereien, der Verein Mansfelder Berg-und Hüttenleute ist rührig und hat das beachtenswerte virtuelle Projekt Kupferspuren.eu zustande gebracht, es mangelt aber an Nachwuchs und der Verein Mansfelder Bergwerksbahn werkelt allein vor sich hin – genau so, wie ein reichliches Dutzend Heimat- und andere Vereine..

Alle diese Vereine sollten sich schleunigst mit Lokalpolitikern zusammentun und gemeinsam dem Mansfelder Bergbau ein Denkmal setzen, das dieses Wort verdient.

800 Jahre lang hat Deutschland das Mansfelder Kupfer benötigt und nur, weil davon 40 Jahre unter der Ägide der DDR gefördert und verhüttet wurde, sollte es unmöglich machen, gebührend daran zu erinnern? Man schaue einmal nach Bochum, wo um den niedergegangenen Bergbau ein richtiggehender Kult inszeniert wurde und wird – und damit Geld in die Kassen gespült wird.

Wenn erst einmal die noch lebenden Augenzeugen sowie die Wissens- und Erfahrungsträger ihre Letzte Fahrt angetreten haben werden, übernehmen studierte, ganz schlaue Historiker die Deutungshoheit – na dann Gute Nacht Mansfeld.
Wir alle wissen ja, was dabei herauskommt, wenn selbsternannte Experten uns ganz genau erklären, wie wir gelebt haben – Bewegt Euch endlich!

siersleben-augsdorfer-strasse
Herr Frühling in Siersleben
Bild: Günter Steinbrecher

Zu dieser Website

Auf und mit dieser Website möchte ich meine subjektiven Erinnerungen an die 50er Jahre in Siersleben festhalten.

Damit im Text genannte Namen, Firmen usw. zugeordnet werden können, sind auf drei Lagekarten die Standorte der damaligen Händler und Gewerbetreibenden eingetragen.

Eine ganze Reihe alter Ansichtskarten soll vermitteln, wie es damals in Siersleben und den Nachbarorten aussah und zu guter Letzt folgen Text und Melodie des Mansfeld-Liedes.

Vielleicht erkennt ja der Eine oder Andere das Angesprochene aus eigenem Erleben, aus Erinnerungen der Eltern, oder Großeltern. Und alle, die nichts wiedererkennen (können), erhalten einen winzigen, subjektiven Einblick in die Zeit meiner Kindheit bzw. Jugend in den Fünfziger Jahren in der DDR, einem Land, das es nicht mehr gibt.

Alle Texte werden ständig um Details erweitert und überarbeitet. Desweiteren versuche ich, Details aus der Sierslebener Geschichte hinzuzufügen, die weit von vor der Zeit meiner eigenen Erinnerungen liegen.

Über Rückmeldungen, auch kritische, würde ich mich sehr freuen.

Viel Vergnügen beim Lesen:

Erinnerungen an die 50er,

Einige Dorfgeschichten



One thought on “Siersleben – Die 50er”

  1. Hallo, Horst,
    habe mir auf die Schnelle deine umfangreichen , interessanten Recherchen angesehen. Dafür zolle ich dir Respekt.
    Bei den Kriegsversehrten bzw. Gefallenen habe ich für mich neue Informationen zu Angehörigen mütterlicherseits entdeckt, die für mich Grund zu weiteren Nachfragen im weitläufigen Verwandten- kreis Anlass geben.
    Das Mansfeld- Lied in Wort und Melodie hat sofort zum Mitsingen angeregt u. meine Heimatverbundenheit nach mehr als 50 Jahren bekundet.
    Ich wünsche dir eine schöne Zeit bis zum geplanten Treffen in unserem Siersleben u.
    grüße dich recht herzlich aus dem Saaletal.

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